Die Sache mit den Let’s Plays

Das Videoformat „Let’s Play“ ist schon nicht mehr neu (gemessen an der Schrittgeschwindigkeit, die im Internet vorherrscht) und mittlerweile ist einige Zeit vergangen, so dass sich einige Konventionen etablieren konnten und sich einige leidenschaftliche Let’s Player (LPer) mit Durchhaltevermögen herauskristallisieren konnten.

Was ist ein Let’s Play?

Simpel: Jemand spielt ein Videospiel (meistens, gibt aber auch ALLES andere als „Let’s Play“, sucht mal 🙂 ) und erstellt aus dem Videobild, dem Ton des Spiels und seinen eigenen Audiokommentaren (evtl. Webcam, je nach Format) ein Video zusammen. Somit kann man jemandem beim Spielen des Spiels zusehen, als würde man neben ihm stehen – wie in den guten alten ZeitenTM, als man noch dem Kumpel beim Gameboy-Spielen über die Schulter zugeschaut hat.

Die Idee an sich ist gar nicht neu, das machen diverse Spielezeitschriften schon seit Jahren und es gab auch schon lange Speed-Runs und ähnliche Videos, die im Internet veröffentlicht wurden. Neu ist nur, dass die Videos einfach und bequem via YouTube verbreitet werden können und sich dort eine große Zuschauerschaft bildet. Die Folgen der Videos werden oft in 15-45 Minuten lange Abschnitte unterteilt, so dass – wie bei einer Soap-Opera – es jeden Tag ein etwas Neues zu schauen gibt. Da man Kanäle abonnieren kann und so neue Videos bequem angezeigt bekommt, eignet YouTube als Plattform das sehr gut.

Alles fing mit Minecraft an…

Vor Ewigkeiten hatte ich durch den Bitsundso-Podcast von Minecraft gehört, aber da hat mich das nicht so richtig interessiert. Als ich dann bei TheRadio.CC als Moderator anfing, haben Dennis und ich in einer spontanen Sendung über Spiele geredet – wir haben da stark improvisiert, Computerspiele sind in solch einem Fall ein sicheres Rückzugsgebiet. Er erzählte mir im Laufe der Sendung von Minecraft. Da ich keine Ahnung davon hatte, wie dieses Spiel wirklich ist, habe ich in das Let’s Play von Gronkh angeschaut um mich zu informieren.

Das fand ich damals schon sehr unterhaltsam und habe auch viele Folge geguckt. Weil ich keinen Fernseher habe und auch eher nicht dazu neige, mir Serien auf DVD zu kaufen sondern stattdessen lieber Youtube-Kanäle gucke, habe ich ab da immer das Let’s Play zum Frühstück und Abendessen geschaut. Nach einiger Zeit, als ich mich an das Format gewöhnt hatte, sah ich mich dann auch nach anderen Spielen um, die man als Let’s Play schauen könnte. Minecraft verlor irgendwann den Reiz, gerade da es teilweise längere Bauphasen gab, in denen die Moderation von Gronkh nach einigen hundert Folgen teilweise nicht mehr so unterhaltsam war.

(Einzel) Let’s Play oder Let’s Play Together?

Die häufigste Form des Let’s Plays ist die, bei der eine Person das ganze Spiel spielt und kommentiert. Diese Disziplin ist gut geeignet, wenn man als Zuschauer einen Einblick in das Spiel haben möchte oder es sich um ein Singleplayer-Reaktionsspiel handelt (z.B. Jump & Run). Es gibt aber noch andere Szenarien, die ich hier kurz anreißen möchte. Eine Steigerung zum „normalen“ Let’s Play ist das Let’s Play Together – so wird alles genannt, wo mehr als ein Spieler bzw. Kommentator beteiligt ist.

Es gibt viele Spiele, die auch im Multiplayer gespielt werden können. Wenn sich zwei Let’s Player gemeinsam eines Spiels annehmen, kann über Skype der Ton beider Kommentatoren aufgenommen werden und im allerbesten Fall nimmt jeder der beiden das Spiel aus seiner Sicht auf (z.B. Portal 2 oder Dungeon Defenders).
Eine kleine Sonderform gibt es beim Secret of Mana Let’s Play von AmrasLP und BernhardVanTasticz – hier sorgt der SNES-Emulator dafür, dass beide Spieler räumlich getrennt sitzen können und trotzdem ein SNES-Spiel über das Internet an der gleichen virtuellen Konsole spielen können.

Wenn es kein Multiplayer-Spiel ist, kann man sich immer noch zusammen vor einen Rechner setzen und etwas spielen bzw. einer spielt und beide kommentieren das Spiel. Gerade bei Rätselspielen oder Sandkisten-Spielen wie Point&Click-Adventures oder Minecraft bietet sich das an. Beispiele sind hier Gronkhs Minecraft LP mit Herr Dekay als Gast (großartige Dialoge und schmerzhafte Witze) und nicht zu vergessen das komplette Machinarium LP (doch dazu unten mehr).

Eine letzte mir bekannte, exotische Form des Let’s Play Together ist das umschichtige spielen. Hierbei wird ein Singleplayer-Spiel von mehreren Leuten nacheinander rundum gespielt, ohne dass der vorige Spieler weiß, was eigentlich in der Zwischenzeit geschehen ist. Das hat etwas Ähnlichkeit zu dem Gesellschaftsspiel, bei dem ein Spieler einen Satz auf einen Zettel schreibt, der nächste einen zweiten Satz und den ersten Satz nach hinten wegknickt. So hat jeder weitere Spieler nur den Satz des Vorgängers, aber nicht die ganze Geschichte vor Augen, wenn er weiterschreibt.
Ein Beispiel für diese Form ist das Let’s Play Together Pokémon Blattgrün von Suishomaru, und .

Das steht auf meiner Speisekarte:

Bevor ich erwähne, wessen Let’s Plays ich gerne schaue, einige Wörter vorweg. Es ist großartig, dass es mittlerweile wirklich viele Let’s Player auf Youtube gibt, dadurch hat man als Zuschauer die Möglichkeit, genau die Person zu finden, die ein Spiel genau so spielt, wie man es am besten genießen kann. Die Qualität variiert natürlich immer und es gibt einige, die sich sehr viel Mühe bei der angenehmen Aufbereitung der Videos und der Grafik / Soundqualität geben und anderen geht vor allem erst ein Mal um den Spaß beim Aufnehmen – und sie machen es einfach, trotz begrenzter Möglichkeiten und eventuell unvollständigem technischen Verständnis des Produktionsweges.

Ich bin relativ anspruchsvoll, wenn ich Medien zur Unterhaltung konsumiere. Wenn ich mir aussuchen kann, was ich sehen möchte, nehme ich das, womit ich am wenigsten Stress habe und am einfachsten jetzt sofort Zerstreuung, Unterhaltung und Spaß haben kann. Das bedeutet auch wieder, dass ich – sobald ich einmal Quellen der Unterhaltung gefunden habe, mit denen ich mich gut unterhalten fühle, mich nicht mehr so aktiv nach anderen Quellen und Möglichkeiten umsehe. Das ist sehr schade für andere Let’s Player, aber vermutlich nur natürlich.
Daher hier einmal meine Auswahl, von wem ich gerne Let’s Plays schaue und wieso. Die Reihenfolge in dieser Liste ist willkürlich gewählt.

AmrasLP habe ich bisher nur zusammen mit BernhardVanTasticz im Secret of Mana Let’s Play erlebt – aber das gefiel mir schon sehr gut. Die beiden schaffen einfach eine lockere Atmosphäre, haben ihre Insider-Witze und auch wenn das Spiel den beiden teilweise eine Menge abverlangt bleiben sie gut dabei und kommentieren es so, dass man auch in extremen Situationen noch gerne zuschaut.

BernhardVanTasticz und Sebu (immer noch kein eigener LP-Kanal?) haben zusammen das wohl bisher großartigste Let’s Play aufgenommen, dass ich je geschaut habe. Machinarium ist ein wundervolles Spiel und die beiden haben eine großartige Kumpel-Stimmung währenddessen aufkommen lassen, während sie Wasser beim Spielen getrunken haben und damit die Präzision ihres Mauscursors drastisch gesteigert haben*. Dieses LP kann ich jedem Freund von Point&Click-Adventures nur ans Herz legen.

lookslikeLink ist ein totaler Nintento- und vor allem Zelda-Fan. Ich selber habe keine aktuelle Konsole, daher bin ich gezwungen für Konsolen-Spiele LPs zu schauen. Er spielt Zelda Skyward Sword, das ist ganz witzig und unterhaltsam. Außerdem hat lookslikelink eine einmalige Art des Kommentierens, da er nicht nur die Dialoge spricht, sondern auch die Soundeffekte noch kommentiert 😉 . Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber mir macht es Spaß.

Zombey ist dann schon einer der bekannteren Let’s Player. Er ist unglaublich schnell, was die Auffassung von neuen Gebieten in Spielen angeht und hat so viel Jump & Run – Erfahrung, dass es mir manchmal Angst macht, wie zielsicher er durch Spiele navigiert, während ich als Zuschauer noch zu begreifen versuche, was eigentlich gerade die aktuelle Aufgabe ist. Seine Kommentare im Spiel sind schön auf den Punkt gebracht und nicht zuletzt sein Umgang mit den Zuschauern zeugt davon, dass er sich einige Gedanken macht. Vermutlich muss man sich ab einer gewissen Reichweite aktiv damit beschäftigen, bevor sich die Zuschauer gegenseitig zerfleischen. Auf einzelne Let’s Plays werde ich hier nicht verlinken, stöbert einfach den Kanal durch und schaut, was euch gefällt – da ist sicher etwas dabei.

gehört nicht unbedingt zum Urgestein der Let’s Player Szene, aber hat sich sehr schnell etabliert. Mit einem enormen Ausstoß an Projekten unterhält er auf hohem Niveau und scheut auch nicht davor zurück, den Zuschauern bei Black & White wissenswertes über Akustik beizubringen oder beim Minecraft LP über Privates zu reden. Eine Empfehlung ist das Uralt-Point&Click-Adventure Mutation of J.B., das ich früher selber gespielt habe und hier noch einmal erleben durfte. 🙂

Abschließende Worte

Computerspiele, bei denen der Reiz aus der Story besteht, die man aber eigentlich dafür selber durchspielen müsste, z.B. lineare RPGs, lassen sich sehr gut und unterhaltsam als Let’s Play gucken (ohne den Aufwand des Spielens). Geradezu ideal – was Linearität betrifft – war Heavy Rain, gespielt vom Sarazar. Auch sonst lohnt es sich, wenn man sich über ein Spiel informieren möchte und einen Eindruck vom Spielgefühl bekommen möchte – oder einfach nur als Unterhaltung beim Frühstück oder sonst als entspannender Lückenfüller.

Ich denke einen Teil der Faszination macht auch die enge Bindung zum Let’s Player aus, hier verhält sich das ähnlich wie beim Podcast. Da einige LPer oft auch eine persönliche Note reinbringen, fühlt man sich ihnen oft verbunden und sie sind für den Zuschauer mehr als nur irgendein Fernsehkommentator, da sie zu einem gewissen Teil an seinem Leben teilnehmen – wenn auch nur in eine Richtung. Das ist ein Gedanke, den ich hier noch nachtragen wollte. Mehr zum Thema, was eigentlich der Reiz an Podcasting ist, wird in diesem Youtube-Video eines Vortrags von Tim Pritlove erklärt.

Let’s Player aus dem Gronkh-Universum profitieren natürlich von dieser Plattform, aber es gibt auch sehr gute Let’s Player, die man darüber nicht entdecken wird – also haltet die Augen auf und schaut euch nach euren persönlichen Favoriten um.
Ich wünsche viel Spaß beim Zuschauen oder sogar selber Let’s Playen (Fachterminus 😉 )!

* Anmerkung: Ironie als Stilmittel – und wenn ihr trinkt, bitte verantwortungsvoll und zum Genuß! Außerdem auch erst, wenn ihr es offiziell dürft, da ihr die Auswirkungen erst mit einer gewissen Reife einschätzen könnt.

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