Podcasts via Torrents

Vorwort:
In diesem Artikel setze ich vorraus, dass bekannt ist, was ein Podcast ist (uargh… dunkle Webseite, aber sehr schön erklärt) und wie die Technik zum Verteilen von Podcasts funktioniert. Das Gleiche setze ich für die Funktionsweise von Bittorrent vorraus.

Das Lastproblem & warum via Bittorrent?

Wenn bei einem beliebten Podcast eine neue Folge erscheint, ist der Ansturm auf die Bandbreite des Servers immens. Dagegen kann der Veröffentlichende mit mehr Bandbreite und stärkeren Servern angehen, dadurch steigen aber auch die Kosten für die Infrastruktur. Bei großen Datenmengen, die von vielen Leuten angefragt werden, bietet sich Bittorrent zur Distribution an. Vorteile unter anderem:

  • Die Verfügbarkeit der Daten skaliert direkt mit dem Bedarf. Das System regelt sich also selbst und deckt die Nachfrage automatisch ab, da jeder Herunterladende auch wieder zu weiteren Anfragenden hochlädt.
  • Bessere Statistiken, da der Tracker eines Podcasts mitzählen kann, wie viele Clients eine Episode komplett heruntergeladen haben (Mehr dazu im Podcast: LS008 Bitlove)
  • Geringere Kosten für denjenigen, der den Podcast veröffentlicht
  • Es entstehen automatisch mehr Beispiele für die legale Nutzung von Bittorrent und damit mehr Chance für einen Wechsel des „Filesharing is ja illegal“-Bildes, das oft in Medien propagiert wird.
  • Torrents sind sexy… wer mag nicht gerne solchen Statistiken zuschauen, wie sie ein Bittorrent-Programm ausspuckt? 🙂
  • Fast in Punkt 1 angesprochen, aber: Die Podcasts kommen viel schneller bei den Leuten an, da kein Engpass entsteht.

Also möchte man gerne seinen Podcast per Torrent verteilen. Bitlove bietet einen sehr einfachen Weg um jeden normalen Podcast-Feed in einen Torrent-Feed umzuwandeln. Allerdings braucht man auch für die Rückrichtung ein Hilfsmittel, damit es funktionieren kann.

Podfetcher mit Torrent-Unterstützung?

Es gibt nicht viele. Ein Podfetcher, der mit Podcast-Torrent-Feeds umgehen kann ist Miro, allerdings kann dieser nur auf wenige Geräte synchronisieren, leider nicht auf iPods. Es ist also sehr schwer ein Programm zu finden, das gleichzeitig mit Torrent-Downloads umgehen kann und die Geräte synchronisieren kann, die man gerne benutzt. Wenn sich die Verwendung von Torrents bei der Verteilung von Podcast-Folgen weiter verbreitet, wird irgendwann vielleicht entsprechende Unterstützung in die Programme eingebaut.

Daher bleibt aktuell nur, zwei Programme zu verwenden:
Zuerst ein Bittorrent-Programm, das den automatischen Download von Dateianhängen in RSS- oder Atom-Feeds beherrscht. Unter Linux eignet sich qBittorrent sehr gut – oder eben Miro, das gibt es für viele gängige Platformen. Ein Programm, dass auf den Download und das Weiterverteilen von Torrents spezialisiert ist, bietet meistens mehr Kontrolle über die Behandlung der Torrents selbst als kombinierte Programme.
Als zweites Programm braucht man einen Podfetcher, der die Synchronisation mit dem Endgerät übernimmt, beispielsweise iTunes oder Banshee.

Jetzt müssen diese beiden Programme nur irgendwie zusammengeklebt werden…

Das Verbindungsstück

Damit der Podfetcher einen „normalen alten“ Podcast-Feed abonnieren kann, muss das Verbindungsstück einen solchen bereitstellen. Ich habe da mal etwas gebaut, dass ich feedreconstructor genannt habe (Arbeitstitel).

Im feedreconstructor wird der herkömmliche Podcast-Feed (der direkt auf die Mediendateien verweist) angefragt, die Dateipfade im Feed angepasst und modifiziert an den Podfetcher weitergeleitet.
Möchte der Podfetcher eine Episode herunterladen, wird er durch den veränderten Pfad nicht auf den Webserver im Internet verwiesen, sondern auf einen kleinen Webserver im feedreconstructor, der die Mediendatei aus dem Verzeichnis ausliefern, in das sie durch das Bittorrent-Programm heruntergeladen wurde.

Damit sind einige Wünsche in Erfüllung gegangen:

  • Die Folgen lassen sich per Torrent herunterladen
  • Man hat die volle Kontrolle und kann Folgen weiter verteilen, obwohl man sie bereits im Podfetcher entfernt hat (um die Übersicht zu wahren oder das Endgerät frei zu halten)
  • Es lassen sich beliebige Podfetcher verwenden, da sie das Format des Verbindungsstücks bereits unterstützen (für sie sieht der abonnierte Podcast-Feed völlig normal aus)

Offene Punkte

Derzeit ist mein Prototyp in Python geschrieben und bei BitBucket gehostet. Wenn also Interesse besteht, es auszuprobieren oder daran mitzuwirken, meldet euch oder macht einen Fork und bastelt daran herum. Wenn Änderungen gemacht werden, die ich übernehmen können sollte, wäre es gut, wenn man sich vorher abspricht, damit man weiß, in welche Richtung es geht.
Im Bitbucket-Projekt stehen auch einige Dinge im Bugtracker, ich verwende das als Todo-Liste und natürlich auch als Wunschbox und Bugtracker selber.

Meine Hoffnung ist, dass mit dem Projekt ein simples einfaches Verbindungsstück entsteht, das ohne viel Konfiguration funktioniert und den Workflow zum Abonnieren von Podcast-Torrent-Feeds vervollständigt. Über Anmerkungen und Hilfe würde ich mich sehr freuen. Viel Spaß beim Herumprobieren!

4 Kommentare zu “Podcasts via Torrents

    • Faldrian

      am 07.10.2012 um 17:27

      Danke für die Links!\nDa ich als Endgerät einen iPod benutze, kann ich nur gPodder Version 2 benutzen, aktuell ist Version 3.x – in der wurde nämlich der iPod-Support ausgebaut. :-/\n\nWas VUZE angeht ist wohl das „Local RSS“-Feature interessant. Scheinbar kann VUZE das bereits intern, was ich hier versuche nachzubilden. Allerdings glaube ich, dass die einen neuen Feed zusammenbauen und nicht versuchen den eigentlichen Feed so originalgetreu wie möglich zu behalten.\nhttp://wiki.vuze.com/w/UG_Options#Local_RSS_options\n\nLG Faldi

Schreibe einen Kommentar

Deine Email wird nicht veröffentlicht, Name und Email müssen angegeben werden.