Brot und Nostalgie

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Beim Heimbesuch diesmal hat mein Vater Brot gebacken. Die Bewegung beim Kneten des Teigs einzufangen ist nichtmal so einfach, zumal die Lichtverhältnisse auch eher auf ein angenehmes Arbeiten eingestellt waren, anstatt spannende Bilder beim Fotografieren zu produzieren.

Das Brot war dann ein wenig länger als geplant im Ofen gewesen und hatte eine wunderbare Kruste – nichts für dritte Zähne. Natürlich musste das fertige Brot wieder als Objekt zum Fotografieren herhalten… besonders die Struktur der Kruste.

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Zu dem Bild gibt es sogar ein Making-Of, da mein Bruder (hier noch erkennbar mit der unscharfen blauen Hose im Hintergrund) mich fotografiert hat, wie ich das Brot fotografiere. Und mein Vater hat dann uns fotografiert, wie wir uns gegenseitig und das Brot fotografieren. Ein typischer Sonntag.

von Mirko

Während wir das Brot fotografierten, haben wir uns viel über Fotografie an sich und auch die analoge Fotografie unterhalten und uns daran erinnert, wie unser Vater früher mit seiner Pentax schon immer Fotos gemacht und noch selber entwickelt hat. Früher wie heute war das schon ein Hobby, in das man eine Menge Geld versenken konnte – wobei heute die Kosten für den Film wegfallen, dafür aber ohne Probleme mit der Anschaffung neuer Objektive oder dem Lüstern nach dem neuen Chip im frisch erschienenen Kameramodell aufgewogen wird.

Eine Frage, die mich beschäftigte war, ob denn auf so analogem Film schon Flächen für die Bilder vorgesehen seien oder ob das eine große lichtsensitive Fläche wäre. Allein an der Frage merkt man schon, dass ich mit analoger Fotografie nie zu tun hatte. Zur Beantwortung der Frage wurde das alte Fotoequipment ausgepackt.

Alte Kompaktkamera

Diese „Kompaktkamera“ hat so ziemlich die gleichen Abmessungen wie meine frisch erworbene Fujifilm X20. Interessant sind die Tricks, die sich die Leute damals überlegt haben um das Fotografieerlebnis auch für den Laien einfach zu gestalten. Man sieht hier die Selenzellen unter den kleinen Linsen im Objektiv, mit denen der Belichtungsmesser der Kamera betrieben wurde, so dass sie gar nicht auslöste, wenn die Werte nicht gestimmt haben.

Dazu hat der Sucher rechts unten (aus Sicht des Fotografen) eine winzige Linse, die einen Blick auf die orangen Markierungen auf dem Objektiv ermöglicht. Man sah also, während man sich Positionierte und den Bildausschnitt wählte, auf welche Distanz das Objektiv fokussiert war.

Belichtungsmesser

Ein unabhängiger Belichtungsmesser, der nur aus einer Solarzelle und einem kleinen Drehspulmesswerk bestand, gehörte mit zu den historischen Utensilien, ebenso wie Kabelfernauslöster zum Hineinschrauben in den Auslöser-Knopf und ein kleiner mechanischer Selbstauslöser. Dieser wurde ähnlich wie eine Eieruhr aufgezogen, lief ab und beim Erreichen der 0 wurde ein Metallstift rausgedrück, der den Auslöser betätigt.

Langes Rohr

Schließlich hat mein Bruder für sein Gerät noch mittels eines Adapterrings ein ziemlich brachial aussehendes Röhrchen an seine Kamera bekommen. Details dazu stehen in den Kommentaren (Danke!). Die Optik dieser Kombination war jedenfalls außergewöhnlich, da man sonst viel häufiger schwarze Objektive antrifft.

Die Macht des Tele!

Soviel zum letzen Sonntag. Die neue Kamera macht immer noch Spaß, damit hat man das Gefühl, alle Möglichkeiten einer dieser großen Kameras (wie abgebildet) zu haben, obwohl man eine recht kompakte Kamera in der Hand  hat. Das ist prima für längere Fototouren, wenn der Unterschied zwischen einem Kilogramm und 350g wichtig ist.
Bis zum nächsten Mal!

2 Kommentare zu “Brot und Nostalgie

  1. Bernd

    am 14.05.2013 um 20:47

    Kleine Ergänzung: Das Objektiv mit dem Aluminiumtubus ist ein Sonnar 135mm/4 Teleobjektiv von Carl Zeiss Jena, wahrscheinlich aus dem Jahr 1960 (dazu z.B. http://www.dresdner-kameras.de/objektive/objektive.html); ab Anfang der 60er wurde dann auf geschwärzte Tuben umgestellt, z. T. mit blank auspolierten Griffrändern. Wenn man ein wenig nachforschen will: die Geschichte von alten Unternehmen wie Zeiss ist durchaus spannend.

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