Regenstimmung / Cäcilienbrücke

Ich war mal wieder nachts unterwegs, aber diesmal nicht zum Bahnhof, sondern einfach ziellos durch die Stadt. Als ich das Haus verließ, was es am regnen – das kommt in Oldenburg häufiger mal vor, aber ich hatte vergessen, darüber nachzudenken, ob ich vielleicht einen Schirm mitnehmen sollte um die Kamera vor dem Regen zu schützen. Nagut, kein Schirm, aber ein Stativ hatte ich dabei, weil ich vom Ausflug an den Bahnhof schon gelernt hatte, dass in der Dunkelheit die Belichtung gerne mal länger dauern kann.

JuMoErste Station war der Julius-Mosen-Platz, auch unter Oldenburgern „JuMo“ genannt, denn dieser Platz wird häufig als Treffpunkt gewählt und was man häufig benennen muss, kürzt man ab. Das Bild ist aus der Hand gehalten gemacht, dafür ist es doch recht scharf. Die wahl des Platz, von wo aus ich fotografieren konnte, war eingeschränkt, da ich irgendwas zum unterstellen brauchte, damit die Kamera mangels Schirm nicht nass wird. 😉

Hubhöhe 3,50mWeiter ging es zur Cäcilienbrücke, die wohl demnächst Abgerissen und neu aufgebaut werden soll (hört euch auch den Audio-Beitrag (direktlink aufs MP3) auf der verlinkten Seite an). Die Brücke ist für mich schon ein besonders Bauwerk, zumal sie mit der Eisenbahnbrücke gemeinsam hat, dass sich da echt eine Menge Stahl bewegt und ich mir kaum vorstellen kann, dass man das in der Form heute wieder bauen würde.

Besonders hübsch finde ich, dass man, wenn die Brücke „oben“ ist, also Schiffe darunter hindurch fahren können, die Fußgänger in den Türmen hochlaufen und eine Etage weiter oben über die hochgezogene Brücke auf die andere Straßenseite laufen können.

Versteckte FahrzeugeHier sieht man die Stellen noch genauer, wo man auf die Brücke tritt, wenn sie hochgezogen ist. Außerdem sieht man ein paar Passanten, ganz schön blaues Licht (dafür, dass es eine grüne Ampel ist) und es sind auf diesem Bild tatsächlich noch ein Fahrradfahrer und ein Auto zu sehen… wer findet sie? 😀

Aufgenommen ist das Bild aus einem der Türme – auch dort war es wieder trocken, so dass ich mein Stativ aufbauen konnte und länger belichten konnte. Außerdem entdeckte ich, dass es Fenster gab, durch die man zum Turm auf der anderen Straßenseite schauen konnte. Die Fenster waren so dreckig, dass man durch Milchglas mehr sehen kann, aber man konnte sie öffnen. Und das lohnte sich:

DSCF0981_gimpedDiese Lautsprecher sieht man auch schon auf dem zweiten Bild, über den Signalen für die Schiffahrt. Ich musste ein wenig tricksen, damit das Foto so aussieht, wie es hier aussieht (achja, aus der Hand gehalten fotografiert).
Mit dem „Heilen“-Tool in GIMP habe ich einen hellen Strich eines Insekts, das unbedingt zu den Lautsprechern wollte, entfernt. Das klappt erstaunlich gut, ich könnte nicht sagen, wo es war, wenn ich mir das Bild so anschaue. Außerdem habe ich die Mauer rechts selektiv stark abgedunkelt bzw. das beliebte „Kurven“-Tool angewendet um mit Feingefühl die Lichtblume oben nicht zu zerstören, die Struktur zu erhalten, aber es dunkler zu machen.

Masken auf ein Bild zu legen und nur Teile eines Bildes zu bearbeiten ist für mich schon hart an der Grenze, an der es aufhört, ein Foto zu sein und anfängt, ein Fotoshop-Kunstwerk zu werden. Ich möchte eigentlich lieber Fotos machen, aber manchmal muss man doch ein wenig eingreifen um das Bild wieder zu dem zu machen, was man mit dem Auge dort gesehen hat, bevor man es fotografiert hat. Ich hoffe, auch euch gefällts. 🙂

Nachtrag: Oha, scheinbar kommt das auf 500px gut an. Da hat eins meiner Bilder die Kategorie „Popular“ erreicht, weil es genug Votes gab. Schon ganz gut. 🙂

3 Kommentare zu “Regenstimmung / Cäcilienbrücke

  1. trackordeon

    am 29.06.2013 um 05:02

    Der JuMo ist mir egal, aber mit bunten Licht-Signalen und -Quellen bei Dunkelheit packen sie mich je-des-mal. So auch Du. Danke für diese Einblicke.

    Und ja, ich halte es auch für nicht nur legitim, sondern sogar förderlich, die verengte fotografische Abbildung mit entsprechenden Werkzeugen wieder möglichst nah an den viel umfassenderen Seheindruck heranzurücken. Licht und Schatten über alles!

    • Faldrian

      am 29.06.2013 um 12:19

      Der JuMo war nur wegen der Regenspiegelungen auf dem Pflaster mal ganz nett, sonst gabs eigentlich nicht viel zu sehen. Wenn man keine große Leuchtschrift findet, die sich komplett in einer Pfütze spiegelt, sieht es eher mau aus mit solchen Fotos.\n\nGerngeschehen! 🙂

  2. simonnickel

    am 29.06.2013 um 11:08

    Ich finde es nicht nur legal oder förderlich das Bildergebnis in die gewünschte Richtung zu bearbeiten, sondern sogar durchaus sehr wichtig. Ein Bild kann nie hundertprozent die Realität abbilden, es ist immer zumindest eine Interpretation des Fotografen (mindestens durch Blickwinkel und Zeitpunkt). Das ist auch gar nicht nötig, solange man keine überaus objektive Dokumentation anstrebt.

    Daher ist ein Foto für mich immer als Kunstwerk zu sehen, dass in sich selbst möglich stimmig sein sollte, also auch die gewünscht Stimmung möglichst deutig zeigen sollte. Das geht nur selten ohne Hand anzulegen. Ein Sensor sieht halt auch einfach anders als das Auge. Von daher: weiter so! 😉

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