100 Strangers

Ich bin auf Flickr über die 100 Strangers Gruppe gestolpert. Ich glaube ich hatte ein tolles Portrait in den „Explores“ gefunden und bin dann durch den Beschreibungstext auf das Projekt gekommen. Bei 100 Strangers ist die Idee, dass man 100 Leute, die man noch nie zuvor getroffen hat porträtiert und dabei sowohl seine sozialen als auch die fotografischen Fähigkeiten verbessert.

Das hört sich erst mal ganz super an, da ich sowieso vor hatte, mal mehr Personen zu fotografieren. Ich habe genug Gebäude, Blumen, Makros und andere Dinge fotografiert, die sich nicht groß widersetzen können. Fotos von Menschen haben nochmal eine ganz andere Ebene von Reiz, erreichen ein anderes Level von „schaue ich mir gerne an und finde ich interessant“.

Erster Versuch…

Ich bin also heute im Zuge meiner Kamera-Testrunde losgezogen und bin die üblichen Promenadenbereiche und Parkanlagen entlanggegangen. Dort waren genug entspannte Leute, die sonst nichts groß zu tun hatten. Bei mancher Person dachte ich auch „joa, sieht nett aus, könnte man eigentlich“ und zwei Mal war ich kurz davor, diejenige Person anzusprechen… aber habe es dann doch nicht getan.

Ich glaube ich muss mir erst mal Freunde schnappen und ein wenig Sicherheit im Fotografieren von Portraits gewinnen. Ich möchte dann nicht wie ein völliger Dilettant vor irgendjemandem stehen und am Ende unterirdische Fotos herausbekommen (wobei das mein Subjekt gar nicht merken würde…).

Ich habe hohen Respekt vor Fotos von Personen und würde niemals Fotos machen ohne zu Fragen oder implizites Einverständnis. Diese Wertschätzung hindert mich aber auch ein wenig daran, Leuten zuzutrauen einfach „ja“ zu sagen, wenn ich sie nach einem Portrait frage.  Wie die anderen Leute außerhalb meiner Filterblase in der Hinsicht ticken werde ich durch das 100 Strangers Projekt erfahren.

Und am Ende…

Auf dem Rückweg zu meinem Fahrrad ist mir dann ein junger Typ aufgefallen, der gerade bei einem Rentnerpärchen stand und mit denen über irgendwas redete, was sich anhörte, als würde er eine Befragung durchführen. Der Typ sah auch aufgeschlossen aus, wäre also auch ein würdiges Portrait geworden. Ich habe auf jeden Fall gewartet, bis er nicht mehr mit den Leuten beschäftigt war und habe ihn dann angesprochen.

Ob er denn eine Umfrage mache? … „ja“, sagte er. Ich erzählte vom 100 Strangers Projekt und dass ich da ein ähnliches Problem hätte wie sie, wenn sie Leute ansprechen würden – welche Erfahrungen er denn da gemacht hätte und ob er da irgendwelche Tipps hätte. Ich merkte, wie er sich lockerte und eine Ahnung auf seinem Gesicht erschien, was ich eigentlich von ihm wollte. So in etwa beschrieb er gleichzeitig auf, dass man direkt mit dem Anliegen und ein wenig Kontext auf die Leute zugehen muss. Er und sein Kumpel wären von der Uni und haben immer mit „Wir sind Studenten an der Uni und machen eine Umfrage“ vorgestellt und das hätte die Leute nicht zur Flucht verleitet.

Wir haben noch ein wenig darüber geredet, er verstand mein Problem. Ich wollte nicht so weit gehen und ihn jetzt nach seinem Portrait fragen… das wäre zwar eine Chance aber nach meiner Einleitung hätte das sehr verzweifelt gewirkt.

Insgesamt kam mir die Situation sehr „meta“ vor… ich spreche jemanden an (weil er Leute anspricht) um mit ihm darüber zu reden, wie man Leute anspricht.

Aber nächstes Mal bestimmt!…

Vorher werde ich Portraits üben. Aber dann mache ich das einfach. Ich suche mir jemanden mit Ausstrahlung und überlege mir, was genau ich von der Person möchte und was meine Aufmerksamkeit an der Person gefangen hat – und dann ziehe ich das durch! 😀

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11 Kommentare zu “100 Strangers

  1. Alex

    am 24.04.2015 um 23:38

    Mach das auf jeden Fall! Wenn Porträts der nächste Schritt in der Fotoentwicklung sind – worauf wartest du? 😉 Auch wenn das vielleicht wieder eine Lernphase bedeutet, ist es doch ziemlich interessant, was man alles an Emotionen und Eindrücken in einem Porträt festhalten kann. Ich wünsche dir viel Spaß dabei!

    • Faldrian

      am 24.04.2015 um 23:40

      Bisher habe ich einige Male auf privaten Geburtstagen fotografieren dürfen bzw. wurde vom Gastgeber gebeten, Fotos zu machen. Das hat mir immer sehr viel Freude gemacht – deshalb bin ich mir auch so sicher, dass ich weiter in dieses Feld eintauchen möchte.

      Ich habe normalerweise nur zu wenig Gelegenheit Menschen zu fotografieren… daher die Idee dieses 100 Strangers-Projekt zu machen. 🙂

    • Faldrian

      am 25.04.2015 um 08:46

      Danke für den Link, das lese ich gleich mal. 🙂

  2. simonnickel

    am 25.04.2015 um 08:59

    Portraits sind auch so eine Sache mit der ich mich nie anfreunden konnte. Habe es ein paar Mal versucht, aber ist irgendwie nicht meine Welt. Irgendwie scheint Portaitfotografie aber als Königsdisziplin der Fotografie angesehen, also muss da ja auch irgendwas dran sein.

    Ich bin gespannt was dabei heraus kommt, also bleib dran!

    • Faldrian

      am 25.04.2015 um 09:06

      Wenn ich auf Flickr oder 500px herumschaue, schaue ich mit Vorliebe Foto an, auf denen Menschen sind. Daher kommt mein Wunsch, das auch selber zu machen. 🙂 (Nicht, weil es „in der Szene“ hipp ist. 😀 )

      Danke für die Ermunterung. 🙂

  3. » Smile!

    am 29.04.2015 um 23:39

    […] ich mich gerade ziemlich mit dem 100 Strangers Projekt beschäftige und das Forum der Flickr-Gruppe durchwühle… bin ich auf dieses Video gestoßen, […]

  4. » Dauerregen

    am 01.05.2015 um 22:42

    […] zurück in der Innenstadt… weiter Menschen beobachten und Mut für das 100 Strangers Projekt aufbauen. Auf dem BIld unten sieht man gut die Abstände zwischen Publikum, Spendentopf und […]

  5. » Stranger 1/100: Julian

    am 02.05.2015 um 13:34

    […] bin ich aber nochmal auf die beiden zu und habe gefragt, ob ich ein Portrait für mein 100 Strangers Projekt machen dürfte. Ich habe erklärt, dass es eben darum geht, Leute zu porträtieren, die man noch […]

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