Fotografieren… was… warum?

Manchmal stellt sich mir die Frage, was ich fotografieren könnte. Was möchte ich denn fotografieren? Möchte ich meine „Werke“ anderen Leuten zeigen, möchte ich Anerkennung für die Fotografie oder reicht es, dass ich selbst die Fotos anschauen kann. Gehe ich los und fotografiere Motive, von denen ich schon viele Fotos habe? Wie komme ich in Situationen, in denen es neue Motive gibt, die mich auch fotografisch interessieren? Warum muss ich ein Foto machen, wenn es das vermutlich bereits ähnlich im Internet gibt?

Das waren viele Fragen und ein Teil der Wolke, die meinen Kopf füllt, wenn ich an meine Fotografie denke. Ich möchte das mal ein wenig sortieren, vielleicht finde ich dabei Antworten.

Was fotografieren?

Meistens gehe ich gezielt los um Fotos zu machen. Ich bin dann in einem anderen Wahrnehmungsmodus und achte genauer darauf, welche Perspektiven und Motive mich ansprechen. Ich habe gerne Zeit zum Fotografieren, da der Akt selber Spaß macht und gute Resultate liefert, wenn ich entspannt bin oder zumindest keinem Zeitdruck ausgeliefert bin.

Die allermeiste Zeit über fotografiere ich Motive, die nicht widersprechen können. Mit 100 Strangers hatte ich mal versucht, etwas mehr zu Menschen hin zu kommen… aber das Konzept hat bei mir nicht verfangen. Die schönen Situationen mit Menschen sind oft diejenigen, in denen die Leute völlig ungestört sind – und diese verdeckte Form der Streetphotografie finde ich unhöflich (bzw. ich möchte nicht, dass mich jemand einfach so fotografiert. Kantscher Imperativ und schon mache ichs nicht).

Allerdings sind oft Menschen in Fotos der hauptsächliche Hingucker und sehr dekorativ. Also entweder den Mensch so aufnehmen, dass nichts erkennbar ist (von hinten, sehr klein, Gegenlicht) oder genug Menschen aufnehmen, dass es als „Masse von Leuten“ wirkt und jeder austauschbar wäre und sich niemand auf den Schlips getreten fühlt.

Es gibt noch Situationen, in denen ich gerne Leute aufnehme: Bei Freunden oder Bekannten, wenn eine Feierlichkeit ist und explizit klar ist, dass die Fotos nicht den Personenkreis der Anwesenden verlassen werden. Dies sind dann oft Erinnerungsfotos und die Ansprüche sind anders als an Fotos, die ich ggf. veröffentlichen würde.

Was danach bleibt sind Landschaften, Makro, Tiere, Pflanzen. Per Definition sind die unpersönlich und das führt mich zu dem Gedankengang, dass es von derlei Motiven auf 500px oder Flickr bereits viele gute Fotos gibt. Die Mühe müsste ich mir nicht mehr machen – wenn es nicht um das Gefühl ginge, dass ich ein schönes Foto gemacht zu haben und mich darüber zu freuen. Was oftmals doch der Fall ist, denn es ist auch ein Teil Handwerk und ich bin dann stolz, wenn mir mein Handwerk gelungen ist.

Andere Orte

Mit dem Flughafen Zürich habe ich einen Schritt aus meinem üblichen Umkreis gemacht und das explizit um Fotos zu machen. Ich bin sonst auch schon mal mit dem Fahrrad losgezogen um Fotos zu machen, meistens resultieren diese Ausflüge in angenehm abwechslungsreiche Ergebnisse. Die nähere Umgebung ist schon ziemlich abgegrast, so dass ein Szenenwechsel für neue Motive eine richtig gute Sache ist.

Gucke ich mir das jemals wieder an?

Eine Beobachtung, die ich über die Jahre gemacht habe: Mit über 1300 Fotos allein auf dieser Homepage ist die Menge an Fotos so groß, dass ich mir die alten Fotos kaum jemals wieder anschaue. So war ich letztens erstaunt, was ich vor einem Jahr für schöne Schneefotos gemacht hatte. Die Fotos hatte ich schon wieder vergessen gehabt.

Wenn ich also Fotos zu einem Thema sehen möchte, dann gehe ich meistens auf 500px oder Flickr und suche nach dem Stichwort. Die Fotos dort sind besser verschlagwortet als meine eigene Sammlung. Die eigene Sammlung hat keine Schlagworte, meine Blogeinträge schon eher. Die Nachbearbeitung und Kategorisierung der Fotos ist eine Arbeit, die eher der lästige Teil hinterher ist. Meistens reicht es mir, wenn ich die Fotos der jeweiligen Tour durchschaue und so nachbearbeite dass sie dem Eindruck entsprechen, wie ich die Situation wahrgenommen habe. Dann noch Annotationen zu machen ist zu viel.

Die kurze Antwort ist also: Wenn ich nicht vorhabe, irgendwas mit den Fotos zu machen, schaue ich sie mir nie wieder an. Schade.

Fotos veröffentlichen und Anerkennung

Nach einer Gelegenheit, bei der ich Fotos gemacht habe, gehe ich sie hinterher durch und sortiere diejenigen aus, die gut zur Geschichte oder dem Erlebten passen und bereite sie für den Blog vor. Der Blog hier ist zum einen eine Dauerausstellung meiner Fotos, andererseits aber auch ein Fototagebuch für mich. Ich kann nachschauen, wann ich am Flughafen Zürich war, wann hier in Konstanz Schnee lag oder andere Dinge passiert sind. Diesen Aspekt vergesse ich oft, wenn ich über meine Fotos nachdenke.

Meistens verlinke ich die neuen Fotobeiträge auf Twitter und Diaspora, so dass Leute mitbekommen, dass es etwas Neues gibt. Das Feedback von dort ist angenehm, manchmal gibt es einen Retweet, manchmal einen Reply, oftmals ein „Like“ auf Diaspora oder nette Kommentare. Das ist toll, dann habe ich das Gefühl, ich hätte Leuten eine Freude gemacht, indem ich ihnen diese Bilder gezeigt habe.

Seit einer Weile kommen einfach alle Fotos auf Flickr. Unter CC-Lizenz gibt es dort einige Fotos, ich packe meine einfach dazu, damit der Pool größer wird. Ab und zu gibt es dort auch Feedback, aber nur selten. Vermutlich müsste man sich dort mehr in Gruppen einbringen oder noch mehr Tags an die Fotos machen … ist mir zu aufwändig.

Auf 500px kommt davon nur eine kleine Auslese. 500px versteht sich ja eher als hochqualitatives Fotoportfoliodings, zudem ist der Upload auf 20/Woche begrenzt. Hier gibt es auch Interaktion, wenn auch oft nur mit Likes und Herzen. Seltenst wird das Foto so schnell so hoch bewertet, dass es in den Kategorien „Aufstrebend“ oder „Beliebt“ ankommt – das freut mich dann.

Am meisten freue ich mich aber nach wie vor über Kommentare, egal ob auf Twitter, auf Diaspora oder hier unter dem jeweiligen Beitrag. Leute, denen die Arbeit so gefällt, dass sie sich die Mühe machen, selber ein paar Wörter dazu zu schreiben.

Ich würde wohl auch Fotos machen, wenn ich sie nicht veröffentlichen könnte. Bei jedem Foto, das richtig gut geworden ist, machts mich schon ein wenig traurig, wenn ich es nicht veröffentlichen kann (Person nicht gefragt oder anderer Grund). Daran merke ich dann, dass der Drang zu Anerkennung und Herzeigen meiner Fotografie relativ stark ist. Das führt dann wieder dazu, dass ich schon beim Fotografieren darauf achte, dass nichts gegen die Veröffentlichung spricht – andere Fotos mache ich gar nicht unbedingt.

Finale

Das waren einige Gedanken und Beschreibungen, die mal raus mussten… wie es sich eben mit meiner Fotografie verhält. Wie ist das bei euch, was ist eure Motivation, was sind die Hürden, die ihr euch selber stellt oder welche Konventionen habt ihr geschaffen?

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4 Kommentare zu “Fotografieren… was… warum?

  1. Ute

    am 28.11.2015 um 17:05

    Interessante Aspekte und sehr ehrlich geschrieben. Finde ich gut und passt auch zu dir.
    Ich selber freue mich immer wieder, wenn mir ein Foto auch technisch gut gelungen ist. Wenn Belichtung, Bildaufbau und Schärfe stimmen.
    Viele Fotos gucke ich mir auch nie wieder an, andere verwende ich z.B. für den Kalender für Oma.
    Manchmal stelle ich mir auch vor, wie ein schönes Foto wohl an der Wand, so als Poster, wirken würde. Oder man gestaltet mit eigenen Fotos Glückwünschkarten. Gerade da machen sich Blumen- und Naturmotive sehr gut.

    • Faldrian

      am 28.11.2015 um 17:13

      Stimmt, Postkarten mache ich aus manchen Fotos. Mir eins an die Wand zu hängen wäre auch mal eine gute Idee – nur kann ich so schwer aussuchen, was man dann da hin hängt. Vielleicht ist das ein wenig wie mit Desktop-Hintergründen: Einfach mal eins aufhängen und ggf. durchtauschen, wenn man merkt, dass es doch nicht so gut passt. 🙂

  2. Bernd

    am 28.11.2015 um 22:03

    Wie würde ich klassifizieren?
    A. Die technische Herausforderung, mit möglichst wenig nachträglichen Korrekturen (also nicht mehr als früher in der analogen Dunkelkammer). B. Die Beobachtung und unmittelbare Umsetzung: einer augenblicklichen Situation, einer Stimmung, einer Aussage über Menschen (= Straßenfotografie im weitesten Sinne), ein besonderes Ereignis. C. Erinnerungsfotos, die als einzelnes Bild oder in einer Folge (bis hin zu Jahren) eine Aussage haben, Reisebericht, Blog zu einem Thema.
    Das steht alles zwischen den von dir genannten Polen des Fotografen selber und anderen, ggf. fremden Betrachtern. Und ich sehe es als Herausforderung, Bilder so zu gestalten, dass sie Empfindungen, Erlebnisse und Geschichten transportieren, so dass sie auch in anderen Zeiten, Umständen und von anderen Betrachtern verstanden werden können. Bilder muss man nicht erklären, Informationen dürfen m.E. nur ergänzen.
    Wenn man diesen Anspruch erhebt, ist das Ergebnis einer Fotoexkursion auch schon mal in der Nähe von null Bildern, aber hoffentlich mit einem Plus an Erfahrung. –
    Und allgemein betrachtet: das ist doch typisch für Menschen: nicht aufgeben, immer wieder probieren und lernen, und neugierig sein.

    • Faldrian

      am 29.11.2015 um 02:14

      Auch sehr schön, bei deinen Ideen dazu fällt mir auf, dass ich oftmals nur an das Foto direkt denke und weniger an das Foto als Vehikel zum Transport von Momenten oder Geschichten – das könnte auch noch spannend sein. 🙂

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