Wandern bei Bezau

BezauGestern war Vatertag – aber vor allem war wunderbares Wetter vorausgesagt worden und im Gespräch mit Kollegen stellte sich heraus, dass ich unbedingt in den Bregenzerwald fahren und dort wandern muss. Okay. 😀

Ohne Auto erfordert eine solche Tour etwas mehr Planung, um ans Ziel zu kommen. Mit dem Zug: Konstanz -> Radolfzell -> Friedrichshafen -> Lindau -> Dornbirn. In Lindau umsteigen zu dürfen ist auch irgendwie ein Privileg. Das war eine sehr schöne Bodensee-Halbumrundung. In Dornbirn geht es dann per „Landbus“ weiter, ein System, das die Dörfer logistisch verbindet.

Der Busfahrer im ersten Bus war super – er hat mir erstmal erklärt, dass ich noch anders hätte fahren können um mir einmal Umsteigen zu sparen. Insgesamt hat er ziemlich viel erzählt und war super drauf. Man muss sich in etwa einen ergrauten Hagrid aus Harry Potter vorstellen, Lachfalten, kommt ursprünglich aus dem Riesengebirge, seit 15 Jahren in der Gegend und hatte offensichtlich Spaß dabei mit den Fahrgästen zu kommunizieren. Zwischendurch wurden Sehenswürdigkeiten angesagt, Witze zu in Kurven überholenden Motorradfahrern gemacht und allerlei lustiges Zeug. Nebenher ist er auch noch souverän und exakt pünktlich seinen Bus gefahren. Es war mir eine Freude!

Nach 4h Fahrt war ich dann in Bezau – und bald geht’s hier mit Fotos los, aber ich wollte etwas Kontext geben. Hier zuerst noch eine Übersicht der Fotos, an denen sich einigermaßen die Laufroute erkennen lässt. Links unten im Bild bin ich gestartet und habe mich den Berg in Kehren hochgearbeitet (Kartenausschnitt aus OSM).

WanderkarteIm gaaaaanz oberen Bild sieht man Bezau (jetzt scrollt ihr hoch, oder?) mit dem markanten Kirchturm und schon einem Vorgeschmack auf das kommende Panorama.

Am Anfang des Aufstiegs war es noch sehr waldig und wohlbewuchert, ähnlich zu den Wäldern um den Bodensee herum. Einfach ein schöner Wald mit tollen Grüntönen (ich hatte echt Mühe den Weißabgleich korrekt einzustellen…)

Waldbach IdylleEin Stück weiter oben öffnete sich der Wald für einen Ausblick auf das Tal. Löwenzahn gab es dort ohne Ende, aber der schien noch nicht so weit wie der in Konstanz.LöwenzahnBergwiese DiesigIm oberen Bild sieht man den Punkt, an dem der Weg von einem angenehmen befahrbaren Weg zu einer eher abenteuerlichen Route wechselte. Das Erste, was mit dort auffiel: Hier gibt es ja noch Schnee, klasse!

Oh, Schnee!Trotzdem dort Schnee (eher schneeförmiges Eis) lag, war es nicht kalt. Ich hatte das Merino-Wolle-Shirt von Weihnachten an, sonst keine Jacke oder so – und es war perfekt (bis auf den Geruch, ich muss es wohl erst einmal waschen). Geschwitzt habe ich nur dort, wo der Rucksack auf den Schultern lag (und in meiner Jeans), ansonsten sehr angenehm.

WanderwegDas ist der Waldpfad, den es dann bergauf ging. Mir kam ein Fahrradfahrer entgegen und ich war wirklich verwirrt, wie der da herunter gefahren ist. Dass er heruntergefahren war, sah man an den Spuren in Blättern und Matsch… ganz schön irre. Der Weg war ein ständiges Austarieren, auf welche Steine man treten durfte, da viel von der Erde eher schlammig war (Schneeschmelze) und ich nicht wusste, wie rutschig der Untergrund da ist.

Das sieht nicht nur steil ausWenn man diese steilen Pfade den Berg heraufturnt, sollte man nicht vergessen, ab und zu auch mal stehen zu bleiben, sich irgendwo fest zu halten und einen Blick hinter sich zu werfen – dabei sieht man dann sowas:Höcker FlachlandNach ein wenig herumirren kam ich dann auf eine Straße – zwar nicht die Route, die ich nehmen wollte, aber entspannender zu Laufen. Mittlerweile merkte ich meine Beine auch schon ganz gut – und so eine Tour mit frisch gekauften Wanderschuhen zu machen, war vielleicht auch nicht die klügste Idee. Egal! 😀

Jemand anders hatte da wohl eher spezielle Schuhe – Schneeschuhe. Ha, gedanklich hab ich mich noch lustig gemacht, das könnte ja unpraktisch sein (hab ja keine Ahnung) – aber das Lachen wird mir schon noch vergehen.

SchneeschuheWenn Straßen eine Kurve am Berg entlang machen, wirkt das für mich, als würden sie da einfach aufhören und danach wäre nur noch Himmel. 😉

Straße ins Nichts Da kam ich hochEin bisschen weiter bot sich der Hang für ein Panorama an (eventuell auf das Bild rechtsklicken und „in neuem Tab“ auswählen, um das Bild größer zu sehen).

PanoramaDann sah ich etwas am Himmel, damit hatte ich nicht gerechnet (naiv, ich weiß… hab aber doch keine Ahnung von Bergen). Gleitschirmflieger!

GleitschirmfliegerAn dieser Stelle eine Erkenntnis, die ich beim Nachbearbeiten der Fotos gewonnen habe und euch nun mit auf den Weg geben will: Wenn ihr so hoch in den Bergen bei strahlender Sonne Fotos macht, neigt die Kameraautomatik gerne zu 1/350s und F14-20, um mit dem vielen Licht klarzukommen. Das heißt, die Tiefenschärfe ist sehr hoch… und das bedeutet auch, dass alles scharf wird. Auch der Staub auf der Frontlinse.

Normalerweise kümmere ich mich um diesen Staub nicht, da er ziemlich gering ist und im Bild nicht auffällt. Aber bei diesen Fotos hätte es mir richtig Zeit erspart, wenn ich bei dem Licht die vielen Flecken gesehen hätte, als ich die gerade geschossenen Fotos kontrolliert habe.

FelswandObwohl die Berge groß und weit entfernt waren, gab es auch im Kleinen einiges zu sehen. In der Sonne auf dem Schnee tummelten sich viele kleine Spinnen, keine Ahnung, was die dort suchten. Schmetterlinge kamen auch ab und zu vorbei und ebenso dieser Kollege.

Was machst du denn hier?Die Schneeschmelze hatte auch etwas sehr schönes: Eiszapfen!

SchneezapfenSchließlich kam ich ganz oben an der Seilbahnstation an und musste feststellen, dass weit oben auf einem Weg auch automatisch ganz schön dicht am Himmel und damit am Flugverkehr ist. So fühlte sich der Airbus A380 sehr nah an.

Airbus A380Mit dem Erklimmen des Niedere hatte ich auch die Quelle der Gleitschirmflieger entdeckt. Dort wurde gestartet und geflogen… spannend anzusehen und zu beobachten, wie die Thermik die Flieger wie im Fahrstuhl hoch gehoben hat.

Mit Anlauf und Publikum An Bergen herumhängen Lauf! AusblickAuf dem Berg gab es einen Panorama-Rundweg. In der Vorbereitung  klang das total gut und so machte ich mich auf den Weg. Mittlerweile spürte ich die Sonne mit enormer Kraft niederbrennen und überlegte mir, dass ich nächstes Mal einen stärkeren LSF und eine dunklere Sonnenbrille sowie einen Hut brauche. Alles Erfahrungen, die man sammelt. 🙂

Geschmolzener Kamm Schneespitzen Steiler HangHier oben lag noch ziemlich viel Schnee – ich würde schätzen, dass es teilweise ein halber bis dreiviertel Meter war. Zum Glück war der Schnee dort, wo man den Weg vermutet hätte, so verdichtet, dass man darauf laufen konnte. Daneben allerdings … konnte man schon ordentlich einsinken.

Panorama-RundwegEingesunkenGerade hatte ich mich noch über dieses tiefe Loch lustig gemacht, als ich einen weiteren Schritt machte und selber bis zum Knie verschwunden war.

Der Panoramaweg sollte laut GPS hier irgendwo sein… aber sämtliche Markierungen waren weg. Also folgte ich den Fußstapfen, die mich sehr steil durch den Oberschenkel-tiefen Schnee führten.

SchneemusterWährend ich noch langsam versuchte nicht einzusinken, kam eine Gruppe hinter mir halb rutschend und mit viel mehr Sicherheit den gleichen Weg entlang. Das gab mir Kraft einfach „auch egal“ zu denken und beherzt von Loch zu Loch zu stolpern. Ich war sehr froh, dass die neuen Wanderschuhe meine Füße trocken und warm hielten.

Die kleine Gruppe hinter mir hatte Spaß … und ein kleiner Schneeball, locker geworfen, rollte sich zu einer großen Kugel.

Schneeball? Du bist aber groß geworden!Auf den Bäumen schmolz der Schnee im Licht der Sonne und glitzerte schön.

SchneeresteBeim Blick ins Tal kam mir der Gedanke: „Hilfe, ich bin in einem 1000-Teile-Puzzle und niemand holt mich hier raus!“.

1000 Teile PuzzleUnd schließlich – da es ein Rundweg ist – wieder zurück zur Seilbahnstation. Einen angrenzenden Sessellift sieht man auf dem unteren Foto (nicht die Seilbahn, die ich meinte).

Lange SchattenMittlerweile sind es mehr Gleitschirmflieger geworden. Wie ein großer Mückenschwarm in der Abenddämmerung tummeln sie sich in der Thermik. Ich bin verwundert, dass sie sich nicht gegenseitig über den Haufen fliegen. Ab und zu hört man leise das „tut tut tuuuut tuuut“ der Höhenmessgeräte, die jeder der Flieger bei sich hat.

Ordentlich was losBergstation Seilbahn BezauDie Seilbahn erst 2010 gebaut worden und kam mir sehr Hightech vor. Eine Fahrt war horrend teuer (12,40 € von Berg nach Tal), aber dafür ging es schnell und angenehm.

Seilbahn Bezau GondelIhr habt es geschafft! Ich bin wieder gut im Tal angekommen und fix und fertig gegen späten Abend in Konstanz angekommen – und ihr habt alle Fotos durchgescrollt. 😉

Die Ecke dort ist so schön, das wird sicher nicht das letzte Mal im Bregenzerwald gewesen sein.

6 Kommentare zu “Wandern bei Bezau

  1. Ute

    am 06.05.2016 um 17:44

    Tolle Fotos von einer wunderschönen Gegend.
    Es hat mir große Freude gemacht, Deinen Bericht zu lesen und mir die schönen Fotos anzusehen.
    Ich kann mir gut vorstellen, das es ein anstrengender Tag war, aber ich glaube, Du bist auf den Geschmack gekommen.
    Bin schon gespannt, wohin es Dich das nächste Mal hinzieht. 🙂

  2. aNNa Blume

    am 06.05.2016 um 18:22

    > Man muss sich in etwa einen ergrauten Hagrid aus Harry Potter vorstellen, Lachfalten, kommt ursprünglich aus dem Riesengebirge

    dann war es vielleicht Rübezahl 😉

    da hattest du ja einen spannenden Tag. Danke Für Deinen Bericht und die supertollen Fotos 🙂

  3. Noobie

    am 06.05.2016 um 18:33

    Tolle Gegend, wunderschöne Fotos!
    Besonders die Gleitschirmflieger haben es mir angetan. Ich bin mal wieder neidisch ^^
    (Das mit den neuen Wanderschuhen hätte ich dir gesagt, wenn mir da vorher von erzählt hättest 😉 )

    • Faldrian

      am 06.05.2016 um 18:47

      Hmja, aber ich hatte keine Zeit die einzulaufen – hab sie erst am Tag zuvor gekauft gehabt und hatte spontan Lust, die auch zu benutzen. 😀

  4. Bernd

    am 06.05.2016 um 20:12

    Schöner Bericht; der Vergleich der Gleitschirmflieger mit einem Mückenschwarm passt echt gut, wenn ich das bild so betrachte. Übrigens war die Seilbahn nicht zu teuer, wenn ich mich an den Urlaub in der Schweiz erinnere …

    • Faldrian

      am 06.05.2016 um 20:16

      Vermutlich ist die Seilbahn im Vergleich zu Seilbahnen preislich echt okay. Ich hab das gedanklich eher mit „wie weit komme ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln für das Geld“ verglichen. Der Bus von Dornbirn bis Bezau hat 4,70€ pro Fahrt gekostet.

      Wenn man allerdings in Betracht zieht, welches Monopol sie mit der Seilbahn haben und wie sehr viel anstrengender es ist dort hoch zu laufen, ist der Preis für die Mühe, die es dem Passagier erspart, schon okay.

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