Deutsches Museum München

Auf zu neuen WeltenIch bin für eine Woche nach München gefahren um das Deutsche Museum zu besuchen. Ich war 1998 als Kind bereits mal in München und habe dort mindestens zwei Tage im Museum verbracht – wusste also, dass man dort viel Zeit verbringen und interessante Sachen sehen konnte. Nun musste ich das nochmal wiederholen, mit genug Zeit für alle Sperenzchen.

Derzeit wird ein Teil des Museums umgebaut, so dass nur 2/3 der Fläche offen sind. 2019 werden die aktuell geschlossenen Bereiche dann wieder eröffnet und in einer zweiten Phase andere Bereiche bis 2025 umgestaltet – dann sollte wieder alles offen sein. Obwohl einige Bereiche nicht zugänglich waren, gab es immer noch genug zu sehen, dass ich komplette drei Tage im Museum war.

Im Museum

Um mal zu verdeutlichen, wieso man so viel Zeit dort verbringen kann, gebe ich euch mal einen Überblick, was ich mir an den Tagen angeschaut habe. Das Museum hat von 9-17 Uhr offen, ich war meistens von 9-16:30 Uhr dort ohne viel herumzutrödeln.

Tipp: Nutzt die Führungen! Es werden für viele Bereiche Führungen angeboten, in denen zu den Exponaten ein Überblick und vor allem ein Kontext gegeben wird. Es wird also erzählt, wie sich dieser Technikbereich entwickelt hat und woher Exponate kommen. Dazu gibt es Trivia und Anekdoten, die viel Spaß machen. Einige Exponate sind im Normalfall nicht in Betrieb oder nicht vom Besucher zu aktivieren, bei diesen besteht die Chance, dass im Rahmen der Führung die Exponate vorgeführt werden – das entgeht euch, wenn ihr die Führungen nicht mitmacht.

Tag 1

Führungen: Schifffahrt, Hochstrom, Metalle, Kraftmaschinen

DioramaDie o.g. Bereiche habe ich mir auch angeschaut. Bei der Schifffahrt und den Kraftmaschinen hatte ich eine Privatführung (sonst war keiner da), wir hatten aber auch zu zweit Spaß und dann konnte man intensiver Fragen stellen. Die Leute freuen sich über Interesse und Plaudern auch sehr gern auf Nachfragen. 🙂

Zusätzlich gab es noch die Bereiche „Werkzeugmaschinen“ und „Umwelt“, allerdings scheinen mir das auch Kandidaten für eine Modernisierung zu sein, die schienen in den frühen 90ern stehen geblieben zu sein.

Eine Kunstform, die mir bisher völlig entgangen war, ist das Diorama. In einigen Ausstellungen sind historische Produktionsgebäude oder Landschaften mit Technologie im Überblick als Miniatur in der Wand aufgebaut. Eine Miniatur in diesem großartigen Detailgrad transportiert viel mehr als eine Illustration – es ist 3D und man kann von verschiedenen Winkeln gucken, Strukturen dort nachverfolgen und insgesamt ein Gefühl für Dimensionen bekommen.

Bei vielen Dingen im Museum bringt es absolut gar nichts, davon Fotos zu machen – die Fotos gibt es im Internet sowieso schon und man muss einfach davor stehen, drumherum gehen, die Objekte vor sich sehen.

Im Hochstrom-Bereich ist eine alte Litfaßsäule ausgestellt, in der früher Transformatoren behaust waren. An den Außenwänden sind noch alte Poster von vor vielen Jahrzehnten angeklebt und innen drin sieht man die rustikale Technik. Starkes Metall, umwickelt von getränktem Papier und isoliert mit Keramik. Die Ästhetik von Metall, Papier, Öl, Keramik, Baumwolle ist eine so andere als von heutigem Plastik, Glas und auf Hochglanz polierten Oberflächen.

Ansonsten… schaut es euch selber an. Die Bereiche waren alle spannend. 😉

Tag 2

Führungen: Bergbau, Planetarium (ESO-Film)

Bereiche: Astronomie, Amateurfunk, Bergbau, historischer Flug, Vermessung der Erde, Informatik (erste Hälfte)

Die Führung durch den Bergbau war großartig. Zur regulären Führung war ich wieder der einzige – und diesmal lohnte es sich nicht nur für eine Person die Führung zu geben. Zu meinem Glück war eine Stunde später eine Schulklasse zur Führung angemeldet und ich konnte mich dort anschließen. Die Führung dauerte eineinhalb Stunden und führte in den Keller des Museums. Der Keller war nur schwach beleuchtet und komplett in der Optik von Bergwerkstollen gestaltet. Überall waren Szenen aus dem Bergbau und historische Gerätschaften eingebaut und wurden vorgeführt.

Amateurfunk war eher zu vernachlässigen, ein Raum mit antiquierter Technik. Es gibt wohl immer noch einen Mitarbeiter, der selber auch schon lange dabei ist, der dann ein paar Fragen beantwortet, aber das lag nicht so in meinem Interessenzentrum (ist mit dem Internet alles hinfällig geworden für mich).

Informatik war noch echt schön, da einige Grundtechniken erklärt wurden um Logik zu verstehen und man einige mechanische Rechenmaschinen sehen konnte. Zumindest hab ich die Abteilung an dem Tag erst halb geschafft.

Tag 3

Führungen: Planetarium (Sternprojektion), Vorführung Miniatur-Ziegelei

Bereiche: Informatik (zweiter Teil), Flugsimulator (naja…), Keramik, Glas, Papiererzeugung, technisches Spielzeug, Sonderausstellung (Willkommen im Anthropozän), Musikautomaten

Der zweite Teil der Informatik behandelte Chip-Produktion und ich habe einiges nachgeholt, was ich am Tag zuvor nicht gesehen hatte: Alte Großrechner mit Magnetspeichern, Bandmaschinen und Lochkartenlesern. Da wirkt Computer noch eher wie Handwerkskunst, heute ist es hoch integrierte Massenware.

Die anderen Bereiche waren ganz nett anzugucken (und informativ!), brauche ich aber nicht viele Worte drüber verlieren. Da ich von jeglicher Automatisierung magisch angezogen werde, bin ich eine Weile an der Miniatur-Ziegelei stehen geblieben, bis eine Vorführung war.

Überblick FormungsbereichGanz links im Bild wurde die Masse in Form gepresst, dann in vier Steinrohlinge zerschnitten und mit einem Logo geprägt. Die Rohlinge laufen weiter nach rechts und werden so separiert, dass genug Luft zwischen ihnen ist und dann über ein paar Fließbänder in ein Trockenregal gefahren.

Zum TrockenregalWenn dies voll ist, wird es in den Trockenschrank (rechts hinten, hinter der Anlage) gefahren. Die angetrockneten Steine werden später herausgefahren und auf die Träger für den Ofen gestapelt.

ZiegelgreiferIm Ofen werden die Ziegel bei 800°C gebrannt. Der Ofen ist nie aus, wird nur bei längeren Schließungen des Museums auf 700°C heruntergefahren. Deshalb ist die Ausstellung mit der Maschine im Winter schön warm und im Sommer unerträglich warm…

Im Brennofen Brennofen von außenRechts sind die fertigen Ziegel zum Abkühlen aufgestapelt und werden später vom Personal entnommen. Die Ziegel können als Andenken für 1€ erworben werden – habe ich aber nicht gemacht, da ich nicht auf die Frage „warum ist dein Rucksack so schwer?“ mit „Ist voller Backsteine.“ antworten wollte. 😛

Fakten am Rande: Das Deutsche Museum hat ein Ton-Lager und verbraucht in der Maschine pro Jahr 2 Tonnen Ton. Bis vor 5 Jahren wurde die Anlage noch mit analogen Schaltschränken gesteuert, wurde dann aber auf Siemens-SPS umgerüstet. Die Anlage steht dort seit den 80er Jahren.

Planetarium

Das Planetarium (Podcast mit mehr Infos) habe ich zwei Mal besucht (da ich eine Jahresmitgliedschaft erworben habe, war es für mich kostenlos, sonst 2€) und mir damit beide Vorführungen angesehen. Der ESO-Film war ein informativer Überblick über unser Universum auf ziemlichem Basis-Niveau. Leider saß ich exakt falsch, so dass ich die Vorstellung fast kopfüber gesehen habe… das war ungünstig. Der Film wurde mit vielen synchronisierten Beamern an die Kuppel projiziert, das sah schon gut aus, aber erinnerte eher an IMAX oder ähnliche großformatige Kinos.

Die zweite Vorstellung war eine eher klassische Präsentation, die mit Hilfe eines Sternenprojektors und der Beamer gemacht wurde. Das Kontrastverhältnis der vielen tausend projizierten Sterne war so unglaublich gut, das kannte ich so nicht. Die Kuppel wurde wirklich zum Sternenhimmel und es erinnerte mich an die ruhigen Nächte im Nirgendwo in Schweden, in denen man auch die Milchstraße sehen konnte. Beeindruckend war auch, dass die Planeten und der Erdmond einzeln bewegt werden konnten um bestimmte Zeitpunkte am Sternhimmel nachzustellen. Wenn ihr ein Planetarium mit Sternenprojektor in eurer Nähe habt – geht da mal rein. 🙂


Soweit erstmal mein Bericht zum Hauptgebäude des Museums. Es folgen noch Beiträge zur Flugwerft Oberschleissheim und dem Verkehrszentrum Deutsches Museum. Also bis bald! 🙂

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