Innradweg: Tag 2, Zernez – Pfunds

Die heutige Tour bringt mich von Zernez bis rüber nach Österreich, nach Pfunds. Die Strecke ist mit 63 km eine gute Tagesdistanz, wie ich sie eigentlich auch versuche einzuhalten. Damit bleibt immer noch genug vom Spätnachmittag um sich in der neuen Stadt / Unterkunft einzuleben und auch was von Ort zu haben, in den man gerade gereist ist.

Von Zernez aus geht es erstmal auf guten Straßen abwärts. Wie immer ist es anfangs etwas schattig – und hier lernte ich dann, warum die Schwaben „schattig“ synonym mit „ziemlich kühl“ sagen. Im Tal auf der Schattenseite ist es wirklich ziemlich kühl.

Dann gings endlich mal rüber auf die Sonnenseite des Flusses und schon kommt die Jacke aus, da es plötzlich schön warm ist.

Diesmal führt der Weg weiter vom Fluss weg – zumindest was die Höhenmeter angeht. Teilweise kam es mir wie ein stundenlanger Aufstieg vor, mehrere hundert Höhenmeter ging es bergauf und letztlich hab ichs mit purer Willenskraft bezwungen – Kondition habe ich in der Hinsicht keine. Die Leistung wird aber auch durch grandiose Aussicht belohnt.

Beim Hochschieben war eine Hälfte des Weges mit einer rotweiß angemalten Planke abgesperrt – okay, das soll wohl bedeuten, dass Autos dort nicht durch dürfen, Radfahrer und Wanderer schon. Ich fuhr den Weg also weiter und komme an eine Baustelle. Dort hatten zwei Bauarbeiter eine ein Meter große Furche in den Weg gezogen.

Als sie mich kommen sahen hab ich erst etwas skeptisch geguckt, aber der eine Arbeiter winkte mich heran. Ich kam näher und der andere Bauarbeiter holte zwei Planken und legte sie über die Furche, so dass ich mein Fahrrad auf die andere Seite schieben konnte. Die haben sonst italienisch miteinander geredet, aber auf mein englisches „Thank you!“ kam ein nettes „There you go.“. Irgendwie stelle ich mir vor, dass in Deutschland die Leute einfach „Ist doch gesperrt, geh woanders lang.“ gegrummelt hätten. 😉 Aber so gings unproblematisch weiter.

Oben war ein kleines Dorf (warum sonst baut man da eine Straße hoch) mit hübschen Häuschen.

Ich war aber noch lange nicht ganz oben angelangt. Zwischendurch überholte mich immer wieder ein Schweizer Wandertrio, das zu Fuß schneller war als ich mit meinen ständigen Fotopausen, Sonnencremepausen und Verschnaufpausen.

Wir haben uns dann irgendwann unterhalten, während ich mein Rad neben ihnen her schob. Ein bisschen Smalltalk, der Hinweis, dass meine Wasserflasche bald mal wieder aufgefüllt werden sollte und ein paar Tipps für den weiteren Weg (nett gemeint, meine Route stand ja sowieso fest).

Auf dem obigen Bild ist das ganz links die Straße, die ich mich weiter hoch quälte – und dann ging es eine wahnwitzige Abfahrt auf einer Serpentinenstraße bergab, bei der ich meine Bremsbeläge quasi verdampfen sah. Und schon war ich in Scuol!

Eine supercoole Brücke führte dort über den Inn, von der man eine gute Aussicht hatte – aber vielleicht nichts für Leute mit Höhenangst (da wäre auch die Radstrecke grundsätzlich ungeeignet, da es oft direkt am Abhang entlang geht).

Ich kam an einem kleinen Bach entlang und war wieder auf der Schattenseite des Inntals.

Und dann… natürlich, unser täglich Streckensperrung gib uns heute.

Wenn da steht, dass es wegen Lawinengefahr gesperrt ist, respektiere ich das natürlich. Nur hätte ich gewünscht, dass sie es an der letzten Kreuzung angekündigt hätten und nicht erst, nachdem man bereits 1.5 km gefahren ist …

Außerdem würde ich mir wünschen – und das konnten bisher weder die Schweizer noch die Österreicher – dass sie im Falle einer Radroutensperrung eine Umleitung ausschildern und man sie sich nicht selbst suchen muss.

Mein neuer Weg führte mich eine richtig ätzende Schiebetour die Straße hinauf und dann die Bundesstraße entlang. Als ich erstmal auf der Straße war, ging es richtig gut bergab und ich fuhr zwischendurch 54 km/h, als ich komplett freie Sicht und keinen Seitenwind hatte.

Ich berichte hier von einer Fahrradtour, also streue ich auch immer mal wieder nicht so grandiose, aber dafür informative Fotos ein, die den Weg zeigen. Hier also: Schöner Asphaltweg neben dem Inn lang. 🙂

Der Weg führte mich bald auf die Bundesstraße am Inn entlang. Für so Spielkram wie Fahrradwege ist in dieser schmalen Schlucht kein Platz.

Endlich bin ich dann wieder auf dem Fahrradweg und damit in Österreich angekommen.

Unterkunft

In Pfunds bin ich in der Pension St.Lukas untergekommen. Insgesamt kann ich nur sagen: Supergut. Für 43€ bekam ich ein prima Frühstück, WLAN, perfekte Aussicht vom Balkon und ein sauberes Zimmer mit angenehmem Bett. 🙂

Blick ins Zimmer und aus dem Fenster:

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