Technik-Führung durch die Bodensee-Therme

In der Bodensee Therme Konstanz gab es vergangenen Freitag eine Führung durch die Technik des Bades. Bisher hatte ich ja schon die Führung durch das Wasserwerk mitgemacht (und das war sehr interessant), also war ich gespannt, was mich hier erwarten würde.

Zuerst gab es ein kleines Vorweggespräch im Eingangsraum der Therme. Dort wurde die Struktur erläutert, wie die Bädergesellschaft mit den Stadtwerken und dem Bäderbeirat der Stadt zusammen hängt und was wirtschaftlich gerechnet werden muss, damit die Therme betrieben werden kann. Es wurde erstmal verwalterisch etwas tief, als über Pläne, den Neubau des Schwaketenbads und geplante Bauvorhaben und Genehmigungen geredet wurde – alles Fragen, die schon interessieren, aber ich war auf die Technik gespannt.

Ein Interessenkonflikt war noch nennenswert: Die Therme hätte gerne direkten Zugang zum See, damit man beispielsweise von der Sauna direkt den See als Tauchbecken nutzen könnte. Am See entlang geht aber der öffentliche Fußweg, der ihnen das Vorhaben verhindert. Ich war ziemlich erleichtert, dass da penibel von den Genehmigungsbehörden drauf geachtet wird, dass dieser Weg nicht angetastet wird, denn ich finde den Weg von der Seestraße bis zum Hörnle so essenziell für das Lebensgefühl in Konstanz, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, wenn man damit irgendwas anstellt.

Und nun: Ab in den Keller!

Bevor es allerdings in den Keller unter der Therme geht, gibt es ebenerdig den Chlorraum, der das notwendige Chlor zum Desinfizieren des Badewassers vorhält. Der Raum ist komplett abgedichtet, hat einen Wasservorhang, der im Falle eines Chlorgasaustritts aktiviert wird, um das Gas im Raum zu halten und enthält fast ausschließlich die Gasflaschen. In anderen Thermen werden auch mal zwei 500 kg Fässer benutzt, um das Chlor zuzuführen, in der Therme sind es 16 Gasflaschen. Begründet wird das damit, dass man bei einem der Fässer, das eventuell undicht ist, direkt einen Großalarm für die ganze nördliche Bodenseeregion hätte – und bei einer Gasflasche wäre die betroffene Region viel kleiner.

Das Chlorgas wird in einem Unterdruck-System verteilt, bei dem der Gesamtdruck geringer ist als der normale Luftdruck in der Umgebung (ähnlich zum Ozon-System im Wasserwerk). Das sorgt dafür, dass bei undichten Stellen kein Gas austritt, sondern Luft einströmt. Die ganze Anlage ist vollständig überwacht, so dass bei Unregelmäßigkeiten entsprechende Ventile sofort schließen. Das Chlorgas wird an vielen Stellen in der Wasseraufbereitung geregelt zugeführt, d.h. es gibt Sensoren, die ständig den Chlorbedarf für das Wasser ermitteln und die Menge so erhöhen, dass sie dem vorgeschriebenen Minimum entspricht.

Ein Fakt, der besonders betont wurde: Hier wird nur gasförmiges Chlor benutzt, es werden keine anderen Zusätze beigegeben, die nach der Wasserreinigung im Wasser verbleiben. Es gibt später im Wasserkreislauf noch Ausfällmittel, mit dem die gebundenen Verunreinigungen im Filter hängen bleiben, aber diese Mittel werden komplett gebunden und gelangen nicht in das Wasser, das im Badebereich benutzt wird. Auch hier kann man wieder Parallelen zur Wasserfilterung im Wasserwerk beobachten.

Nun gehts aber weiter in den Kellerbereich, wo die Lüftungs-, Heiz- und Wasseraufbereitungstechnik steht.

Wenn man sich einmal mit Industriesteuerungsanlagen beschäftigt hat, findet man die gleichen Siemens-Geräte überall wieder, die irgendwas überwachen, steuern / regeln und Daten der verschiedenen Technikbereiche sammeln und an Diagnosemonitoren anzeigen. Hier hatte der Weihnachtsmann noch ein paar Geschenke versteckt, jetzt steht erstmal Ostern vor der Tür, daher werden sie dort wohl noch eine Weile liegen.

Weiter geht es in den Heizraum. Ein sehr warmer Raum.

Das obere Bild zeigt die Decke, die ein großes Gewusel an isolierten Rohren ist. Der Raum enthält das erdgasbetriebene Blockheizkraftwerk, das sowohl Wärme als auch Strom erzeugen kann. Das untere Bild zeigt eine spezielle Konstruktion eines österreichischen Ingenieurs, mit dem die Wassertemperaturen für die verschiedenen Becken gemischt werden.

Ein Verfahren könnte sein, dass man das Wasser zuerst auf die maximal erforderliche Temperatur erhitzt und dann durch Mischung mit kaltem Wasser die gewünschte Temperatur herstellt. Je heißer man aber Wasser erhitzen muss, desto mehr Verlute hat man beim Erhitzen, es ist wirtschaftlicher das Wasser genau auf die Temperatur zu erhitzen, die man letztlich auch braucht. Genau das passiert in diesem wild aussehenden Konstrukt: Dort gibt es verschiedene Temperaturschichten, das Wasser wird beim Durchströmen des Kessels entlang der Strömungsrichtung erhitzt und an vielen verschiedenen Stellen kann Wasser entnommen werden. Je nachdem, wo man entlang der Erhitzung anzapft, erhält man verschieden warmes Wasser.

Die Therme verwendet für ihren Thermenbetrieb Thermalwasser aus einer Thermalquelle (wie oft ich das Wort wohl noch in einem Satz verwenden kann?). Das Wasser kommt also aus 660m Tiefe und muss ständig entnommen werden (sonst tritt es woanders aus). Die Temperatur des aufsteigenden Wassers ist bei etwa 27°C, wenn es im Bad ankommt, es ist also ziemlich warm. Gleichzeitig besitzt die Therme ein System, mit dem sie ihre Wasserfilter, durch die das Badewasser ständig läuft, spülen kann und das Spülwasser (30m³ pro Filter, es gibt 8 Filter für das Hauptbecken, werden alle 2-4 Wochen gespült) wieder so aufbereitet, dass sie es in den Bodensee leiten darf. Zu dem Zeitpunkt hat das Wasser Regenwasserqualität, so dass dies möglich ist. Damit  das Wasser in den Bodensee eingeleitet werden kann, wird allerdings die Wärme entzogen, so dass es mit 8°C in den Bodensee eingeleitet wird.

Aus der Wärme des Thermalwassers und der Leistung diverser Wärmepumpen in der Wasseraufbereitung der Therme ergibt sich, dass die Therme eigentlich zu viel Wärme hat und diese irgendwie loswerden muss. Um keinen Kühlturm neben die Therme zu bauen, wurde die Beckentemperatur in den vergangenen Jahren um 2°C angehoben. Das geht nur in den Thermalbecken, im Freibad-Schwimmerbecken kann die Temperatur nicht beliebig erhöht werden, da es sonst für die sportlich schwimmenden Leute zu heiß wäre.

Auf die Frage hin, ob man bei der Wassertemperatur eigentlich den Wärmeeintrag der Badegäste merken würde, hieß es: Ja, das ist zwar minimal, aber ein volles Becken heizt durch die Leute mit gut 20kW Wärmeleistung. 🙂

Aus dem Heizraum ging es weiter nach unten in den Bereich der Wasserfilterung.

Auf den Bildern oben sieht man die roten Tanks. In dem Raum, den wir besucht haben, gab es davon acht Stück. Im Tank befindet sich ein Filtergemisch, das etwa 2-4 Wochen (je nach Anzahl der Badegäste) hält, bis der Druckunterschied zwischen einströmender Seite und ausgehender Seite zu groß ist und vollautomatisch eine Rückspülung und damit eine Reinigung des Filters vorgenommen wird. Einmal im Jahr kommt ein Unternehmen und reinigt die Filter von anderem Schlamm, der durch die übliche automatische Reinigung nicht entfernt werden kann.

Das Bad besitzt drei Wasserzufuhr-Möglichkeiten. Regulär wird die Thermalquelle für das Badewasser verwendet. Für die Duschen und sanitären Anlagen sowie das Tauchbecken im Saunabereich wird Leitungswasser von den Stadtwerken verwendet (das Saunabecken wäre mit Thermalwasser zu warm). Sollten diese beiden Quellen ausfallen, gibt es noch einen gebohrten Wasserbrunnen unter der Therme, aus dem Wasser bezogen werden kann. Diese Absicherungen sind sinnvoll, damit der Thermenbetrieb nicht stillgelegt werden muss, denn eine Schließung der Therme kann gut 30.000€ pro Tag kosten.

Für den Betrieb der Therme wird auch Strom benötigt, dafür hat die Therme einen eigenen Transformator und einen Anschluss an das Verteilnetz der Stadtwerke. Bei einem Stromausfall gibt es eine Reihe an Batterien, die einen Notbetrieb für vier Stunden garantieren. Sollte der Strom aber eine Weile ausfallen, wird das Bad evakuiert, der Regelbetrieb kann so nicht gewährleistet werden.

Ich habe sicher noch einige Dinge vergessen, die uns erzählt wurden, aber das war alles Spannendes, was mir aus meiner direkten Erinnerung wieder eingefallen ist. Vielen Dank für die Führung an die Stadtwerke und die Bodenseetherme und mal schauen, wo ich als Nächstes eine Führung bekomme. 🙂

Ich wünsche einen schönen Sonntag, entspannt gut.

2 Kommentare zu “Technik-Führung durch die Bodensee-Therme

  1. Bernd

    am 18.03.2018 um 19:26

    Ui, da ist ja ne ganze Menge Technik drin … denkt man so gar nicht drüber nach.

  2. Israuor

    am 31.03.2018 um 03:59

    Meine Hochachtung. Haette ich nicht gedacht dass mich das interesseiren koennte. tut es aber serwohl.

Schreibe einen Kommentar

Deine Email wird nicht veröffentlicht, Name und Email müssen angegeben werden.