Amsterdam

Ich war im Herbst in Amsterdam – der Hauptstadt der Fahrräder (zumindest festigt sich nach wenigen Minuten ein entsprechender Eindruck). Um so ironischer, dass an einer Hausecke dieses aussagekräftige Schild hing. Würde man die Fahrräder aus Amsterdam entfernen, käme die ganze Stadt zum erliegen.

Aber der Reihe nach. Das erste Kuriose bei Ankunft in „Amsterdam Centraal“ war, dass wir zunächst nicht aus dem Bahnhof kamen. Man musste sein Ticket über eine Reihe von Eingangs- / Ausgangstoren halten, damit man aus dem Bahnsteigbereich kam. Als nächstes wurde ein Metroticket für eine Woche für etwa 35€ erworben. Das Personal am GVB-Schalter sprach widerstrebend Deutsch (ist auch unhöflich, das zu erwarten, aber fragen konnte man ja mal) und sehr gut Englisch. Insgesamt ist die Erfahrung in Amsterdam, dass es dort unglaublich weltoffen und kulturell durchmischt ist – und jeder, den wir trafen, konnte sehr gutes Englisch.

Nach dem Einchecken im Hostel gingen wir nochmal auf Tour – also wieder zurück ins Zentrum. Als wir ankamen, hat es geregnet. Als Nordlicht war mir klar: Das ist normal. Es hat aber so ordentlich geschüttet, dass wir erstmal Zuflucht in einer Kirche gesucht haben. Schön fand ich das kleine Schiffchen, das am Ausgang unter der Orgel hing.

Weiter ging es durch den Regen… wobei ich den Regen ganz hübsch fand, alle Straßen glänzten, auf den Fahrrädern sammelten sich tropfen und es war nicht so voll. Außer natürlich im Cafe, in das wir uns zwecks Aufwärmen irgendwann flüchteten.

Die Menge an Fahrrädern ist wirklich beachtlich. Es gab Momente, in denen wollten wir von einer Gassenseite auf die andere wechseln, die Gasse war 2 Meter breit. Es hat gefühlte zehn Minuten gebraucht, bis da mal eine Lücke zwischen den Fahrrädern war um hinüber zu gehen. Auch sonst muss man höllisch aufpassen, dass man nicht von Fahrrädern umgefahren wird – die bremsen für niemanden und gehen davon aus, dass man selber aus dem Weg springt. Ich fand das aber gar nicht so verkehrt (klar muss es sichere Bürgersteige geben, damit man auch als Fußgänger einigermaßen klar kommt).

Diese starke Fahrradkultur hat aber zur Folge, dass die allermeisten Autos, die man sieht, nur Lieferverkehr ist und alles andere durch Straßenbahnen, U-Bahnen und Fahrräder abgewickelt wird.

Auf dem Bild unten sieht man im Hintergrund noch einige Leute, die sich für einen Marathon bereit machen und davor: Fahrräder. Viele Fahrräder.

Wenn man seinen Spaziergang am Hauptbahnhof startet, dann landet man zwangsläufig im Rotlichtviertel… 😀 Durch einige kleine Gassen geht es weiter und es hat wirklich Bindfäden geregnet.

Im Grunde wechselt sich in der Gegend Sex-Shop, Gras-Museum und Tattoo-Studio immer ab, zumindest blieb das etwa im Kopf hängen – und es gab viele Döner/Pommes/Steak-Läden, die mit im Mix der Geschäfte zu finden waren.

Am nächsten Tag hatten wir Glück, das Wetter war etwas klarer. Es gab zwischendurch zwar noch kurze Schauer, aber dafür hatte man einen Regenschirm dabei und konnte schnell kontern.

Am Vortag ist das gar nicht so aufgefallen, aber da sind wirklich viele Hausboote! Teilweise haben sie ihren eigenen Garten mit an Bord und parken in zweiter Reihe.

Sehr typisch touristisch, aber ein wirklicher Blickmagnet sind die ganzen Kanäle / Grachten, die sich durch die Stadt ziehen. Teilweise mit festen Brücken, mit Klappbrücken und mit Schwänen Bootvögeln.

Neben der Brücke guckte eine Katze aufmerksam rüber… und wollte Aufmerksamkeit. Kein Problem. 🙂 Die Katze wirkte sehr zuhause auf der Bank und in dieser menschendurchfluteten Stadt.

Weiter gehts in die eher geschäftigen Bereiche von Amsterdam. Scheinbar wird viel Wert auf Dekoration gelegt, denn überall waren bunte Bänke und Blumen an den Brücken abgebracht. Randnotiz: In Amsterdam waren auch überall Regenbogenfahnen von den Häusern hängend zu sehen. 🙂

… und dann war da dieses Schaufenster mit dem Lasergiraffeneinhorn. 😀

Weiter gehts mit ein paar Alltagsszenen und hübschen Lichtverhältnissen. Alle Geländer waren grundsätzlich Fahrradständer und an den Grachten fand man immer wieder mal ein paar Bänke.

Während man durch die Innenstadt lief, wehte einem manchmal ein bisschen Kaffeegeruch um die Nase – aber viel öfter roch man die vielen Coffee-Shops mit ihrem markanten Geruch nach Gras. Das ist ein Geruch, der einen während des ganzen Aufenthalts in Amsterdam begleitet, aber man gewöhnt sich dran.

Eine Sache, die mich länger beschäftigt hat, waren die Haken an den Hausdächern. Zuerst dachte ich, das wäre vor allem, weil das früher alles Kontore waren, in denen man Dinge gelagert hat, die man dort hoch kriegen musste. So kenne ich das von einigen alten Häusern aus Bremen und Hamburg. Stellt sich aber raus, dass auch viele neu gebaute Häuser diese Haken an den Giebeln haben… und nach ein wenig Internetrecherche fiel dann der Groschen, dass es heute immer noch benutzt wird um große Dinge nach oben zu kriegen, da vermutlich die Flure in den Häusern zu schmal sind (weil die Häuser alle sehr dicht an dicht gebaut sind).

Ein Stück weiter spielte jemand lustiges Fahrrad-Angeln in den Grachten… und ansonsten standen da noch schöne Hausboote herum und eine kleine Statue auf dem Asts eines Baums, der sich selbigen unter den Füßen weg sägt.

Nach einiger Zeit hatten wir das Gefühl, die touristisch hübsche Innenstadt gut genug gesehen zu haben und wollten auch mal den „Rest“ von Amsterdam sehen. Also auf für einen kurzen Abstecher in die Nähe des Hafengebiets. Dort begegneten uns zwei Superkühe…

… und jede Menge postmoderne Horrorszenarien. In dem rot-weiß-gekachelten Containerturm war oben auch ein Restaurant drin… aber das ganze Gebilde sah etwas seltsam aus.

Doch dazu später mehr, erstmal zurück in die Innenstadt. Die Tauben wurden schon müde und der Tag neigte sich langsam dem Ende zu.

Aus der Reihe „Postkartenmotive, die ich fotografierte und später im Hostel als Poster an der Wand wieder fand“:

Ein weiteres Postkartenmotiv-Foto, das „Amsterdam“ schreit. Ich habe später mal auf Fotoplattformen geschaut, diese Ansicht ist dort wirklich oft vertreten. Wobei ich mich frage, ob Amsterdam wohl auch im Winter toll ist, sollten die Grachten zugefroren sein. Dann könnte man mit Schlittschuhen durch Amsterdam fahren… 🙂

Dann setzte die blaue Stunde ein und es gab einen schönen Sonnenuntergang. Nicht umsonst sagt man, dass Amsterdam so romantisch wäre… ich sehe jetzt, wieso Leute darauf kommen. 🙂

An dieser Stelle sagte ein Touristenboot-Ansager im Vorbeifahren zu der Reihe von Häusern: „Every one of them is tilted somehow… and ironically the only one standing straight is the Irish pub!“. 😀

Als es dann dunkel war, kamen wir auf die Idee, Nachtaufnahmen zu machen. Ich habe bei dem einen Bild eigentlich gar keine Langzeitbelichtung machen wollen und hab mich beim Einstellen der Belichtungszeit vertan… gut so!

Der weiße Strich ist die Buglampe eines Bootes und der grüne Strich ist das Steuerbord-Positionslicht (da das Schiff uns entgegen gefahren ist).

„Kamerakind“ Jule

An einem Tag haben wir Kameras getauscht. Jule fotografiert analog mit zwei Kameras und macht echt schöne Fotos (früher hat man ja nur analog fotografiert… ich bin digital fotografierend aufgewachsen und bin immer erstaunt, dass analog funktioniert. :D). Ich habe also eine analoge Kamera (Minolta AF-7000 mit Kodak Gold / Fujicolor C200) von ihr bekommen und sie meine Fuji X-E2 mit Fujinon 18-55mm Objektiv.

Der Tag, an dem wir das gemacht haben, war der Tag, an dem wir gezielt ins Industriegebiet gefahren sind und die Hafengegend abgegangen sind. Die Kategorie war oftmals „postmoderne Horrorszenarien“, die einen besonders schön-scheusslichen Charme hatten.

Auf einem Hausboot hatte jemand ganz viele Schaufensterpuppen aufgestellt… das war ziemlich gruselig.

Die Gegend wirkte insgesamt sehr künstlich – wie ein Bauprojekt nach dem Motto „okay, wir brauchen mehr Platz für diese Stadt – lass uns da mal Wohnbunker und Grünanlagen planen und genau so umsetzen wie hier in meiner CAD-Zeichnung“.

Dabei kommt dann ein Ufogebäude heraus, das einen Innenhof hat … oder sieht es eher wie ein Donut aus?

Richtig hübsch dagegen war die Pythonbrug, die als rotmetallener Schlenker einladend unseren Weg formte (wer ist denn dieser fotografierende Tourist da… :D).

Am Wasser (wo auch sonst, es ist Amsterdam!) geht es weiter in den Stadtteil Zeeburg.

Dort wurde es ziemlich ländlich und die Landschaft bestand aus Deich, Straße und Wasserweg.

Zur Abwechlung wieder ein wenig postmoderner Horror… ob die Architekten dachten, der Spielplatz und das Holz an der Verkleidung dieses Betonbunkers würden das Gebäude irgendwie retten?

Und schließlich das Ijmeer und die große Weite.

Das folgende Foto könnte fast in ein Magazin for Motorräder passen… und schöne Sonnenreflexe!

Danke Jule, es sind schöne Fotos geworden!

Faldrian analog…

Ja, ich hab die analoge Kamera in der Hand gehabt … und hab die gescannten Fotos nur im Schwarzpunkt und ein bisschen in der „Klarheit“ beeinflusst, sonst nichts dran gemacht. Ihr kennt die Ansichten von oben bereits, ich dachte ich präsentiere nur eben das Gegenstück. 🙂

Und damit wünsche ich euch ein schönes Wochenende, hoffentlich fahrt ihr auch mal nach Amsterdam – es ist wirklich schön dort, wie ihr hoffentlich gesehen habt. 🙂

2 Kommentare zu “Amsterdam

  1. Bernd

    am 02.12.2018 um 20:30

    Schöne Bilder, interessant wo ihr herumgekommen seid.

    Merkzettel für mich:
    1. Man sollte mal wieder hinfahren.
    2. Mehrere Tage einplanen.
    3. Regenschirm nicht vergessen.
    4. Stativ (Gorillapad) mitnehmen.

    ^_^

    • Faldrian

      am 02.12.2018 um 21:13

      Ohja, Regenschirm auf jeden Fall… und ich fänd ja sogar mal interessant, wie sich Amsterdam bei Schnee macht. 🙂
      Vermutlich gibt es noch viele Stellen, an denen wir nicht waren, irgendwann ist man aber erstmal einfach nicht mehr aufnahmefähig.

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